Agentur für Drehbuch und Regie
Mehr als Storytelling

Bernd Wunder

Für mich war 1984 nicht wie 1984. Nein, nicht wegen George Orwell oder Apple, sondern wegen des Films Die Unendlichen Geschichte.
Ich erinnere mich, als ob es erst gestern gewesen wäre, wie ich allein mit einem Freund in die Nachmittagsvorstellung durfte. Wir steckten irgendwo zwischen Kindheit und Jugend fest, aßen frech Popcorn, wobei die Hälfte des zuckersüßen Korns auf die rot samtenen Kinosessel bröselte, und schlürften bewusst laut, so dass es jeder hören konnte, vom amerikanischen Traum aus klebrig flüssigem Braun.

»Like ice in the sunshine«, klingt noch heute in meinem Ohr und sehe ich einen Jungen vor meinen Augen, der brustbehaarter Männlichkeit mit einer Brille als Brennglas zu Leibe rückt, bevor sich der Vorhang schließt, nur um mir dann, nach einer kurzen, dramatischen Pause und obligatorischem Eisverkauf im Kinosaal, mit erneutem Öffnen eine Welt zu enthüllen, die ich nicht wieder vergessen sollte.
Der Weg entlang des Stegs, hoch oben über dem historischen Dorfkern, in einer steil aufragenden Felswand, war nach dem Film ein anderer. Er war nicht mehr nur der kürzeste Weg nachhause, er war jetzt der holzbeplankte Zugang, zu einer Welt voller neuer Abenteuer.


Mit Hilfe von Stefan Zweigs Schachnovelle, die mir ein paar Jahre später den Zugang zur Literatur vermittelte, war der Weg frei, selbst Geschichten auf Papier zu bringen.

Bernd Wunder lebt und arbeitet in München.

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